C-is

C-is header image 2

Begegnung mit Tibetern (II)

27.11.2012 · Keine Kommentare · China

Ort: Qinghai See, Provinz Qinghai, VR China
Datum: 15. August 2012

Nur die Gesichter der beiden jungen Mönche verraten ihren Unmut. Ihre Haltung und ihre Augen sind ruhig. Auf der leuchtend grünen Wiese im Zentrum der Tempelanlage sitzend, hatten sie uns eine ganze Zeit lang beobachtet, nachdem wir ihr „No,no“ ignoriert und die golden leuchtende Buddhastatue wieder und wieder fotographiert hatten. Ein Sonnenstrahl hatte die 28 Meter hohe Statue aus Kupfer und Blattgold angestrahlt. Nur so ist sie uns aus weiter Entfernung am Ufer des Qinghai-Sees stehend überhaupt aufgefallen.

Die Statue in der Anlage des Jiayisi-Tempels

Dann kam einer der Mönche energischen Schrittes auf uns zu. „No photography, it is forbidden“, sagte der schlaksige junge Mann. Wir versuchen mit einer Spende für den Tempel die Möglichkeit von Aufnahme im wahrsten Sinne des Wortes zu „erkaufen“. „Buddha ist zum Anbeten da, nicht zum Fotografieren“, sagt der junge Mönch, der recht gut Englisch spricht, weiter. „Und wer weiß was ihr mit den Fotos macht, sie wegschmeißen oder mit anderen einfach öffentlich aushängen.“ Doch der Mönch den Kopf und wird nun stur. Einer unser chinesischen Begleiter kommt hinzu. „Wie wäre es wenn wir erst eine Öllampe anzünden in Eurem Tempel?“, fragt er.

Ich bin erstaunt. Woher hat er diese Worte? Er kann nicht gehört haben was der Mönch gerade gesagt hat. Der Mönch wirkt nicht sehr überrascht über diese Worte, auch wenn er erst nach einigem Zögern nickt und zur Haupthalle am anderen Ende der Anlage gegenüber des Eingangstors geht. Er beobachtet uns genau während wir eine Öllampe entzünden, uns mehr oder weniger huldvoll vor dem dortigen, mit reichlich bunten Stoffen behangenen Buddha verbeugen und dann die Lampe auf seinen Geheiß hin an einem bestimmten Platz zu stellen. „Könnt Ihr anbeten?“, fragt er uns beim Hineingehen. Unser chinesischer Begleiter macht es vor, mit einer Ernsthaftigkeit und Würde, die mir fast etwas unheimlich ist. Unser einer deutscher Freund macht währenddessen draußen wieder fleißig Aufnahmen.

Als der Mönch dies beim Herauskommen bemerkt, verzieht er nur kurz das Gesicht. Auf die Frage ob viele aus der Bevölkerung für den Bau des Buddhas gespendet haben, nickt er fast ein wenig schelmisch und auch stolz. Dann weißt ihn sein kleinerer Begleiter offensichtlich zu Recht. „Wir im Tempel haben das Geld alleine aufgebraucht“, sagt er dann schnell. Der Tempel Jiayisi, so lese ich später, ist 1988 von einer der sehr wenigen weiblichen Lebenden Buddhas, Danjie Zhouma, gegründet worden. Der von Beijing eingesetzt Panschen Lama habe diesen sogar persönlich gesegnet. Für die hoch aufragende Statue hat der tibetische Unternehmer Pengmao Cidan mehrere Millionen Yuan investiert, so heißt es in dem chinesischen Artikel weiter.

Tor des Jiayisi-Tempels

Tor des Jiayisi-Tempels

Mir bleibt diese Szene nach lange im Sinn. Es geht ihnen um den Respekt und nicht (nur) ums Geld. Nachher wollten sie überhaupt kein Geld mehr von uns. Was mich auch beschäftigt: eine ganze Gruppe wild fotographierender Han-Chinesen, die nach uns eintrifft, stört die beiden tibetischen Mönche nicht weiter. Vielleicht ist bei ihnen eh alles verloren, mögen sie denken, oder, naja, immerhin kennen sie Buddha. Vielleicht haben aber in diesem Fall auch die Mönche Respekt, zu viel falschen Respekt vor denjenigen, die sie versuchen mit Geld und Macht zu beherrschen.

Tags: ····

Keine Kommentare ↓

Noch keine Kommentare. Kommentieren:

Kommentieren