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Augenblicke des Alltags (1): Mandelförmige Augen und das Wunder der Verbundenheit

17.06.2014 · Keine Kommentare · Allgemein, Christentum

Auf einmal sitzt das kleine quirlige Mädchen mit den mandelförmigen Augen ganz still. Es schaut dem grauhaarigen Mann an, der genauso solche Augen hat wie sie. Sie sitzen sich auf zwei grün gestrichenen Holzbänken vor einenm vietnamesischen Restaurant im Prenzlauer Berg gegenüber.

Mit warmer Stimme erzählt der Mann dem Mädchen eine Geschichte von einem Gespenst in der Kiste. Das Mädchen hatte gefragt, ob er auch ein Gespensterbuch habe. Vielleicht hatte sie da schon gespürt, dass man dem Mann ganz einfach ungewöhnliche Fragen stellen kann. Denn er hat ja die gleichen Augen wie sie.

Das kleine Mädchen schaut kurz zu ihrem Vater und ihrer Mutter, die ganz andere Augen haben, europäische Augen, die sie liebevoll anstrahlen. Dann schaut sie wieder den Mann an, der aus China stammt. Und er schaut zurück. Da grüßen sich zwei Seelengeister, die durch die Form ihrer Augen verbunden sind. 120px-ReligiousSymbols.svgDas kleine Mädchen spürt eine Verbindung, die es mit ihren jetztigen Eltern nicht hat, nie haben kann. Diese Verbindung hat etwas Existentielles, etwas Ursprüngliches.

Diese sehr allgemeine Herkunftsverbindung wird dem Mädchen vielleicht nie wieder wichtig sein, es wird andere Verbundenheiten geben, die es tiefer prägen werden als diese eine Begegnung. Aber es scheint für das Mädchen das erste Mal gewesen zu sein, dass sie instinktiv und intensiv eine ihr noch unbekannte Verbindung mit einem fremden Menschen gespürt hat. Das ist immer ein Wunder, das Wunder des Menschseins.

Solche und andere Augenblicke schauen mich oft aus dem Alltag an, sie schauen mir tief in die Augen, die Seele. Ich meine dann Gottes Augen zu spüren, der mich erkennen lassen möchte: die Menschen, die Du triffst, sind mit Dir verbunden.

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